Special! — Daniel Kahn

Datum und Uhrzeit
Fr 26.11.2021
19:30 Uhr

Veranstaltungsort
Alte Turnhalle
Seestraße 31
71083 Herrenberg
FĂŒr eine Karte diesem Link folgen

Tickets
Eintritt: VVK 12€, AK 14€



Auf Einladung der KZ GedenkstĂ€tte Hailfingen/Tailfingen kommt Daniel Kahn nach Herrenberg. Die Musik von Daniel Kahn & The Painted Bird, von Kahn als „Verfremdungsklezmer“ bezeichnet, ist eine Mischung aus Klezmer, Punk, Folk und Singer-Songwriter – ohne jeden falschen Folklorismus. Die Texte sind teils von Kahn, viele sind jedoch Adaptationen von Gedichten und Liedern jĂŒdischer Autoren (z.B. Mordechaj Gebirtig), oft bissig sozialkritisch. Brecht und Weill fĂŒgen sich logisch ein in diesen Kosmos zorniger Kampflieder. Und wirklich sprachlos macht einen Lili Marleen auf Jiddisch, begleitet von Spieluhr und singender SĂ€ge. Auf der BĂŒhne hat Kahn eine BĂŒhnenprĂ€senz wie ein alttestamentarischer Prophet. Da hilft, dass er Regie und Schauspiel studiert hat.

Troubadour, Songwriter, Dichter und Multi-instrumentalist Daniel Kahn, geboren in Detroit, studierte Theater und Lyrik an der University of Michigan, lebte in New Orleans und New York. 2005 zog er nach Berlin und grĂŒndete seine Kult-Klezmer Band The Painted Bird, mit der er fĂŒnf Alben produzierte, die zahlreiche Auszeichnungen wie den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik erhielten.

Weitere Musikprojekte sind The Unternationale, Semer Ensemble, The Brothers Nazaroff, Bulat Blues und The Disorientalists. Am Gorki Theater arbeitete er u.A. als Regisseur, Komponist, Lyriker, Musik-Kurator, Autor und Schauspieler. In New York spielte er Pertshik in der Hit-Produktion von Anatevka auf Jiddisch, Biff in der hochgelobten AuffĂŒhrung von Death of a Salesman auf Jiddisch und war Teil des All-Star Programms From the Shtetl to the Stage in der Carnegie Hall.

2016 ernannte ihn die Ashkenaz Foundation als ersten „Theo Bikel Artist-in-Residence“. In 2018 erhielt er den Chane und Joseph Mlotek Award for Yiddish Continuity. Er ist MitbegrĂŒnder des jiddischen Kulturfestivals Shtetl Berlin. Daniel Kahn wohnt mit seiner Frau und kĂŒnstlerischen Partnerin Yeva Lapsker sowie ihrem gemeinsamen Sohn mittlerweile in Hamburg. Sie arbeiten auf einem Schiff im Harburger Binnenhafen.

Im GepĂ€ck hat Daniel Kahn sein neues Album word beggar, das am 03.12.21 veröffentlicht wird. Auch wenn Daniel Kahn schon viele Alben veröffentlicht hat – ob unter seinem eigenen Namen oder mit der Band The Painted Bird – word beggar ist das erste Album, das er komplett alleine eingespielt hat.

Musikalisch bewegt es sich zwischen Folk, Jazz und Klezmer. Es besteht aus Adaptionen und Vertonungen von Liedern und Texten von Georges Brassens, Kadye Molodovsky, Mordechai Gebirtig, Kurt Tucholsky, Beyle Schaechter-Gottesman und Aaron Zeitlin, die Kahn ĂŒber die Jahre entwickelt hat. Darunter sind auch seine jiddischen Versionen von Bob Dylan-Songs und Leonard Cohens „Hallelujah“. Das Video zum StĂŒck wurde schon mehr als zwei Millionen Mal gesehen. Auf dem Album wird das Lied minimal und dĂŒster am FlĂŒgel gespielt.

Kahn hatte ursprĂŒnglich nicht vor, das Album solo aufzunehmen. Dann aber lernte er Michael Fetscher kennen, den Betreiber des mitten auf der SchwĂ€bischen Alb gelegenen White Fir Studios.

Als Daniel das Studio sah, beschloss er, das gesamte Album in anderthalb Tagen live im Studio auf 16-Spur-Band einzuspielen, rein analog und ohne digitale Effekte. „Das war auch fĂŒr mich als Performer eine Herausforderung“, so Kahn, „denn man kann nicht ohne Ende Takes machen“. FĂŒnf StĂŒcke entstanden an der Gitarre und weitere sechs an einem FlĂŒgel. Die einzigen, spĂ€ter hinzugefĂŒgten analogen Overdubs waren Einspielungen von Kahn am Akkordeon.

Die BĂ€nder ĂŒberzeugten mit ihrer IntimitĂ€t und NĂ€he, sowie dem organischen und warmen Klang der Aufnahmen. Daher, so Kahn, „hatte ich nicht das GefĂŒhl, dass ich viele andere Instrumente hinzufĂŒgen musste. FĂŒr mich ging es vor allem um die Lieder, die Übersetzungen, die Kompositionen, die Texte, den Inhalt“. So reifte der Entschluss, ein Soloalbum zu veröffentlichen.

Über die Auswahl der StĂŒcke sagt er, dass „die Lieder in den letzten Jahren zu mir gekommen sind“. Damit meint er nicht nur Lieder, sondern auch Gedichte, denn im Jiddischen bezeichnet das Wort „Lid“ beides, oder wie Daniel sagt: „A lid is a lid“. Neben den vertonten Gedichten stehen die Übersetzungen ins Jiddische und Englische oder, wie er es nennt, die „tradaptations“ („translations“ und „adaptations“). Den Großteil davon hat er alleine ‚tradaptiert‘, aber einige StĂŒcke entstanden auch in Zusammenarbeit mit anderen KĂŒnstler*innen und WeggefĂ€hrt*innen wie seiner Frau und Partnerin Yeva Lapsker. Dabei empfindet Kahn diese Adaptions-Arbeit als „eigene Kunst“, als „Songwriting“, denn „das StĂŒck muss als Song in der neuen Sprache funktionieren“.

Die im ersten StĂŒck „Der Zinger fun Noyt“ von Mordechai Gebirtig aufgeworfenen Fragen ĂŒber die Verantwortung des KĂŒnstlers „WofĂŒr singst du?“, „Warum singst du?“ „FĂŒr wen singst du und wozu?“ bestimmen laut Kahn nicht nur das Album, sondern auch seine komplette Arbeit. Dabei beantwortet er sie nicht, sondern ĂŒberlĂ€sst dies seinem Publikum. „Die Fragen sind die Lieder“, wie er sagt.

Das Album bietet thematisch gesehen sehr persönlich gehaltene „Ich“-Lieder, auch wenn die Ursprungstexte nicht von Kahn selbst stammen, sowie „Wir“-Lieder ĂŒber große soziale, historische und politische Themen, die aber zu einem zurĂŒckkommen, denn „Das Persönliche ist politisch, subjektiv und emotional“, wie er betont. Viele StĂŒcke verbindet das Motiv der Ausgrenzung, der GrenzĂŒberschreitung und der Grenzenlosigkeit, ob wortwörtlich, oder im ĂŒbertragenen Sinne auch zwischen den Sprachen.

Weitere Themen sind das Älterwerden, Erlösung und Gerechtigkeit und immer wieder die Suche nach der oder den Heimat/en, die Heimatlosigkeit und Entwurzelung. „Alle Lieder, die diese Suche thematisieren, diese Sehnsucht enthalten, sprechen mich persönlich tief an. Wenn Heimat ein GefĂŒhl ist, dann ist es ein kompliziertes und paradoxes GefĂŒhl. Es ist nicht immer schön, es ist nicht immer schmerzlos oder nostalgisch“, so Kahn.

Workshop

Am Do. 25.11. findet von 16 bis 20 Uhr im Jugendhaus Herrenberg ein Singer/Songwriter Workshop „Lieder gegen Rechts“ mit Daniel Kahn statt. Interessierte können sich per Email anmelden.(mhering@juha-herrenberg.de)


12,00 €



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